SFB 627: Nexus
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SFB 627: Nexus

Press Cuttings

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Esslinger Zeitung, 28.08.2002

In sieben Minuten entsteht ein Abbild der Stadt

Stuttgarter Uni entwickelte Programm für 3-D-Modelle - Für Olympia 2012 wird an Pilotprojekt "Nexus" gearbeitet

Von Elke Hauptmann

Stuttgart - Der Flug aus dem Weltraum direkt in den Hörsaal der Uni Stuttgart - im Institut für Photogrammetrie ist es längst Realität. Zumindest virtuell. Am Bildschirm lassen sich Städte und Gebäude dreidimensional rekonstruieren, ermöglichen so Spaziergänge vom heimischen Sessel aus. "Und es ist noch viel mehr machbar", sagt Uni-Rektor Dieter Fritsch nicht ohne Stolz.

Seit zehn Jahren beschäftigen sich die Stuttgarter Forscher mit 3-D-Stadtmodellen. "Solche Modelle bilden heutzutage die Basis für Stadtentwicklung, Verkehrsplanung, Stadtklimaabschätzungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen", erklärt Fritsch, während ein Mitarbeiter mal eben den 180 Meter hohen Trump Tower, rein zu Demonstrationszwecken, auf dem Schlossplatz auferstehen lässt. "Dadurch erhält man eine Vorstellung von Proportionen und Ästhetik." Oberbürgermeister Wolfgang Schuster zeigte sich beeindruckt ob der Möglichkeiten: So sind alle Bauvorhaben lange vor dem ersten Spatenstich ins Stadtbild einfügbar, sogar ein Rundgang im Inneren des künftigen Gebäudes ist machbar. "Wir brauchen dafür nur die technischen Daten", erläutert ihm Fritsch.

Die 20 Mitarbeiter des Institutes haben in den vergangenen vier Jahren bereits reichlich Vorarbeite geleistet. Bei Flügen über die Landeshauptstadt wurden mit Hilfe spezieller Laserscanningkameras Oberflächen-Aufnahmen gemacht. "Wir können aus 3000 Metern Höhe jeden Punkt mit einer Genauigkeit von zehn Zentimetern messen", so Fritsch. Aus diesen Bildern erstellt der Computer vollautomatisch ein digitales Stadtmodell - in nur sieben Minuten. "Die Gebäude sehen aber noch aus wie von Christo verpackt." Erst durch die "Textaurierung" erhalten sie ihr wahres Aussehen. Jedes Stück der Fassade und des Daches wird dabei eingearbeitet. Das kann bis zu zwei Tage dauern - und erklärt, warum von den bislang 5200 erfassten Gebäuden erst 200 detailgetreu rekonstruiert wurden. "Im Vergleich zu üblichen verfahren sind wir damit aber immer noch deutlich schneller", erklärt der Institutsleiter.

Doch Fritschs Visionen gehen über das Stadium des virtuellen Spaziergangs hinaus. "Nexus" heißt ein Forschungsprojekt, "das Stuttgarts Olympia-Bewerbung revolutionieren wird", ist er überzeugt. Die Touristen sollen dann ein Handy-großes Gerät ausleihen können, das Stadtinformationen mit Serviceleistungen verbindet: Wer etwa auf dem Weg zum Parkhaus an einer Kirche vorbei kommt, kann auf dem Telepointer gleich Daten über das Gebäude abfragen. "Oder die Speisekarte einer Gaststätte oder Sonderangebote im Kaufhaus. Und er kann auch gleich Opernkarten bestellen oder Fahrscheine." Raimund Gründler, der Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Stuttgart 2012, äußerte gleich ein paar Anregungen: "Es wäre toll, wenn die Zuschauer darüber informiert würden, wann sie los müssen, um rechtzeitig bei einem Wettkampf zu sein. Und zwar auch dann, wenn sich der Start kurzfristig verschiebt." Oder wenn man auf dem Telepointer Bilder vom Weitsprung sehen könne, während auf der Videowand im Stadion Diskuswerfen gezeigt werde.

"Das ist alles machbar", beteuert Fritsch. Sein ehrgeiziges Ziel ist, schon im Jahr 2006 zur Fußball-WM einen Pilotversuch zu starten. Die Deutsche Forschungsgesellschaft jedenfalls habe die Arbeit der zehn an "Nexus" beteiligten Stuttgarter Forscher als exzellent bewertet, es gäbe "nichts Vergleichbares in Europa", beichtet der Uni-Rektor. Er hoffe, für das Projekt in den nächsten zwölf Jahren Forschungsmittel in Höhe von 25 Millionen Euro zu erhalten.

 
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